Offenburg (sam) - Weinreben gibt es in vielen Teilen der Welt. Das älteste Gefäß mit Wein steht jedoch in Trier im Landesmuseum und ist rund 2000 Jahre alt. Bis heute ist es ungeöffnet, damit der Mythos des antiken Weins nicht zerstört wird. Bei einer außergewöhnlichen Weinprobe im Feinkostladen „Schatz & Schätzchen“ tauchten die Kiwanis-Freundinnen und Freunde in die Geschichte des Weinbaus ein.
Die Geschichte des Weins beginnt weit weg: an den wilden Flussufern des Kaukasus. Die Kiwanis-Freunde Alexandra und Thomas Eisinger, beide studierte Archäologen, entführten ihr Publikum mit lebhaften Schilderungen in die Steinzeit Georgiens und damit zurück an den Ursprung von Weinanbau und Weinausbau vor 8000 Jahren.
Damals, so die Erzählung, schleppt ein Bauer im Spätsommer Körbe voller Trauben in seinen Marani, den georgischen Weinkeller. Keine Fässer, keine Flaschen – nur maulwurfsähnliche Erdhügel. Darunter liegt das Quevri: ein großer Tonkrug, bis zum Kragen eingegraben, innen mit Bienenwachs ausgekleidet und mit einem Eichenpfropfen verschlossen. Die Trauben werden entrappt und mit den Füßen getreten – kräftig genug, um Saft zu gewinnen, aber schonend, damit die Kerne nicht zerplatzen und alles bitter werden lassen. Die Maische kommt vollständig ins Quevri, dann beginnt die spontane Gärung: erst leise, dann schäumend.
Im Frühjahr wird der Krug kurz geöffnet, der Wein umgelagert, gewartet. Durch natürliche Oxidation wird der Wein haltbar. Am Ende steht das Kaipi: ein Fest mit bis zu 20 Trinksprüchen, geleitet von einem Tamada, einem Vorsitzenden. Getrunken wird traditionell aus Tonschalen – nicht bis zur Besinnungslosigkeit, sondern mit Maß: Wer jederzeit mit Überfällen rechnen musste, blieb lieber wachsam. Noch heute wird in Georgien nach diesem Verfahren Wein ausgebaut.
Dieser georgische „Urwein“ erlebt derzeit ein Revival in Form des Orangeweines und genießt Herkunftsschutz, und wurde natürlich direkt probiert. Es ist ein Weißwein, der eine goldwarme Farbe und einen ungewohnt herben, gerbstoffigen Nachhall hat. „So könnte Wein vor Jahrtausenden geschmeckt haben“, erzählt Thomas Eisinger – auch wenn die Archäologie beim Geschmack an Grenzen stößt: Reben verändern sich über die Jahrhunderte und je nach Klima, dass sie umgibt, sehr schnell.
Auch aus dem alten Ägypten sind detaillierte Darstellungen des Weinbaus überliefert; schon damals gab es effektive Methoden wie die Sackpresse, um Saft zu gewinnen. Die Griechen tranken Wein oft mit Wasser gemischt, sogar von Meerwasser wird berichtet. Mit der Kolonisation gelangte der Wein nach Süditalien und Südfrankreich. Die Römer transportierten ihn in Amphoren; auf Schiffen wurden die Spitzen in aufgeschütteten Sand gesteckt, um die Ladung zu sichern. Pompeji war zu der Zeit ein bedeutendes Weinhandelszentrum, in dessen Weinhäusern Graffiti Qualitäts- und Preisstufen nannten. Eisingers Publikum erfährt noch viel, viel mehr zur Botanik und der Historie und allen wird klar: Wein war schon früh Kulturgut, Handelsware und weit mehr als nur ein Genussmittel.
Mit der Völkerwanderungszeit kamen Weinbau und Handel vielerorts zum Erliegen und erlebten erst im Mittelalter wieder eine neue Blüte, als Klöster Wein auch medizinisch nutzten. Doch das ist eine andere Geschichte.